A. H. Francke

August Hermann Francke (1663-1727) gilt zu Recht als einer der bedeutendsten christlichen Pädagogen Deutschlands. Im 17. und 18. Jahrhundert errichtete er in Halle eine Schulstadt für 2500 Menschen. Er wurde zum Vorreiter einer eigenständigen Lehrerausbildung, des dreigliedrigen Schulsystems, eines praxisorientierten Unterrichts und einer ganzheitlichen Ausbildung. Aus ganz Europa kamen damals die Kinder nach Halle. Die innovativen Ideen Franckes wurden damals weitgehend vom preußischen Staat übernommen. Bis heute sehen zahlreiche evangelische Bekenntnisschulen in A. H. Francke ein herausforderndes Vorbild zeitgemäßer christlicher Bildung. Dem Vermächtnis August Hermann Franckes folgend sind wir herausgefordert. Hier aus der Fülle von Anregungen einige Denkanstöße:

1. Francke vertritt ein biblisch realistisches Menschenbild. Die Liebe Gottes muss an die Stelle der Eigenliebe treten.

2. Francke bemühte sich um die Entwicklung einer spezifisch christlichen Pädagogik und deren Anwendung auf die verschiedenen Fachbereiche. Heute stellt sich beispielsweise die Frage nach den Spezifikationen eines christlichen Biologie- oder Geschichtsunterrichts.

3. Von der pädagogischen Effizienz eigener Erfahrung überzeugt, bemühte sich Francke um Praktika und Begegnungen der Schüler mit Missionaren.

4. Religionsunterricht darf nicht zum Problemfall werden, weil sich Schüler „geistlich überfüttert vorkommen“, hier sollten wir nach geeignetem Unterrichtsmaterial Ausschau halten.

5. Francke betonte die schulische Seelsorge und erklärte wie sie wahrgenommen werden kann.

6. Im Rahmen ständiger Qualitätssicherung und des fachlichen Austausches sollten sich Lehrer an christlichen Schulen gegenseitig im Unterricht besuchen (wie bei Francke üblich).

 7. Seinen biblischen Leitspruch hat August Hermann Francke am Hauptgebäude seiner Stiftungen anbringen lassen: „Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Jesaja 40,31